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Hauskauf Dänemark: 7 Fehler die Deutsche machen – laut dänischer Anwältin
Von Christina Jacobsen | Heimathafen Dänemark
Basierend auf dem Gespräch mit Nicole Schünemann-Føh, dänische Anwältin (Advokat) in Sønderborg und Gråsten
Viele Deutsche, die ein Haus in Dänemark kaufen wollen, sind gut vorbereitet – und machen trotzdem Fehler. Nicht weil sie unvorsichtig sind, sondern weil sie das dänische System mit deutschen Augen lesen.
Nicole Schünemann-Føh begleitet täglich Deutsche beim Hauskauf in Dänemark. In unserem Podcast-Gespräch hat sie offen erzählt, wo es regelmäßig schiefläuft – juristisch, finanziell und menschlich.
1. Der Makler arbeitet für den Verkäufer – nicht für dich
Das ist der fundamentalste Unterschied zum deutschen System – und wird am häufigsten unterschätzt.
In Dänemark gibt es kein Notarsystem. Der Makler wird vom Verkäufer beauftragt und bezahlt. Er hat zwar die gesetzliche Pflicht, alle relevanten Informationen neutral darzulegen – aber seine Aufgabe ist es, das Haus zu verkaufen.
Nicole erklärt es so:
„Der Makler verweist auf bestimmte Informationen – aber die Konsequenzen, was das in der Realität bedeutet, bekommt ein Käufer nur bei seinem eigenen Berater.”
Wer ohne eigenen Anwalt kauft, hat niemanden, der seine Interessen vertritt.
2. Die Kaufsumme muss innerhalb von 5 Werktagen gezahlt werden
Das überrascht fast jeden deutschen Käufer – und kann zu einem ernsthaften Problem werden.
Nach Unterschrift des Kaufvertrags hat man in der Regel fünf bis sechs Werktage Zeit, die komplette Kaufsumme zu zahlen – egal ob der Einzug erst in drei Monaten oder einem Jahr ist.
Nicole nennt das konkrete Risiko:
„Wenn man gerade sein Haus in Deutschland verkauft und das Geld in ein Haus in Dänemark investieren will, hat man plötzlich ein größeres Problem – weil diese beiden Systeme nicht zusammenarbeiten.”
Das Geld aus dem deutschen Hausverkauf kommt zu spät. Die dänische Zahlungsfrist läuft trotzdem.
Dazu kommen: Währungswechsel von Euro auf Krone, Überweisungslimits, Geldwäschegesetze. Alles Faktoren, die Zeit brauchen – und die viele erst im letzten Moment entdecken. Wer zudem noch ein Bankkonto in Dänemark eröffnen muss, braucht zusätzlich Zeit.
3. Zu schnell handeln – Schritte in falscher Reihenfolge
Der häufigste juristische Fehler laut Nicole ist nicht Unwissenheit – sondern Tempo.
„Man ist zu schnell. Überspringt Schritte, macht sie in der falschen Reihenfolge, sucht zu viele Informationen im Internet, die teilweise falsch oder veraltet sind.”
Ein konkretes Beispiel: Wer als Familie nach Dänemark auswandert, braucht einen Selbstversorgungsnachweis bei der dänischen Behörde SIRI. Die Mindestbeträge ändern sich. Wer online nach einer alten Zahl sucht und diese als Grundlage nimmt, erfüllt die Voraussetzungen möglicherweise nicht – und kann dann kein Ganzjahreshaus kaufen.
Die Reihenfolge der Schritte ist entscheidend. Und die lernt man nicht aus Facebook-Gruppen.
4. Den Anwaltsvorbehalt nicht kennen – oder nicht nutzen
Der Anwaltsvorbehalt (dänisch: advokatforbehold) ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen beim Hauskauf in Dänemark – und die meisten deutschen Käufer kennen ihn nicht.
Wenn ein Anwalt den Kaufvertrag begleitet, wird dieser erst dann endgültig, wenn der Anwalt zustimmt. Das gibt dem Käufer eine zusätzliche Hintertür, falls etwas nicht stimmt.
Ohne diesen Vorbehalt gibt es zwar ein gesetzliches Widerrufsrecht – aber das kostet 1% der Kaufsumme als Schadensersatz. Bei einem Haus für 400.000 Euro sind das 4.000 Euro.
Der Anwaltsvorbehalt ist gratis. Und läuft zeitgleich mit dem Widerrufsrecht.
5. Die Nutzung der Immobilie falsch einschätzen
Viele Deutsche kaufen ein großes Haus auf dem Land – und planen, einen Teil als Ferienwohnung, Airbnb oder für ein Gewerbe zu nutzen. Das klingt vernünftig. Ist es oft nicht.
Nicole erlebt das regelmäßig:
„Viele Sachen gehen vielleicht gar nicht wegen Brandschutz, weil ein Bebauungsplan irgendwas verboten ist – oder weil Küstenschutz oder Naturschutz greift.”
Wer das erst nach dem Kauf herausfindet, sitzt auf einer Immobilie, die den eigentlichen Plan nicht trägt. Deshalb fragt Nicole ihre Mandanten immer: Was wollt ihr mit dem Haus wirklich machen?
Deshalb fragt Nicole ihre Mandanten immer: Was wollt ihr mit dem Haus wirklich machen? Steuerlich hat die Nutzung ebenfalls direkte Konsequenzen – ein deutsch-dänischer Steuerberater kann das vorab klären.
6. Den Zeitpunkt des Kaufs falsch wählen
In Dänemark gilt: Wer ein Ganzjahreshaus kauft, muss dort auch wirklich wohnen. Der Lebensmittelpunkt muss nach Dänemark verlagert werden – und das wird behördlich geprüft.
Nicoles klare Aussage:
„Ich bin erst Rentner in zwei Jahren – dann warte. Verlieb dich nicht in eine Immobilie, es ist zu früh. Meine Kinder haben noch ein dreiviertel Jahr Schule – warte, es ist zu früh.”
Wer emotional kauft, bevor die Lebensumstände passen, kauft sich Probleme. Nicht das Haus ist falsch – der Zeitpunkt ist es.
7. Kaufverträge auf Dänisch nicht ernst nehmen
Die gesamten Kaufunterlagen sind auf Dänisch. Mehrere hundert Seiten. Niemand stellt eine deutsche Übersetzung zur Verfügung – das ist schlicht nicht vorgesehen.
Was drin stecken kann: Wegerechte, fehlende Katastereinträge, Abrissauflagen, Bebauungseinschränkungen. Dinge, die den Wert und die Nutzbarkeit einer Immobilie fundamental verändern.
Nicole nennt ein echtes Beispiel aus der Praxis: einen Ofen, dessen Baujahr (vor oder nach 2003) über Austauschpflicht entscheidet. Dieser Punkt wurde auf Englisch falsch kommuniziert – und tauchte erst im Kaufvertrag klar auf.
„Erst als der Kaufvertrag vorlag, war bekannt, wie die Lage wirklich war.”
Was das für dich bedeutet
Ein Hauskauf in Dänemark ist machbar. Aber er funktioniert nach anderen Regeln als in Deutschland.
Die gute Nachricht: Die meisten Fehler lassen sich vermeiden – wenn man weiß, worauf man achten muss, und die richtigen Ansprechpartner früh einbindet.
Nicole begleitet Deutsche beim Hauskauf und beim gesamten Auswanderungsprozess – auch komplett per Video. Ihr Profil und Kontakt findest du im Anbieter-Netzwerk von Heimathafen Dänemark.
Vor der Übergabe sollte außerdem die Hausversicherung in Dänemark abgeschlossen sein – ohne Versicherung gibt es in der Regel keine Finanzierung.
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Christina Jacobsen
Heimathafen Dänemark
Christina Jacobsen ist Deutsch-Dänin und betreibt Heimathafen Dänemark – ein Portal für Deutsche, die in Dänemark leben und arbeiten wollen. Sie hat über 20 Jahre Erfahrung in dänischer Verwaltung und Privatwirtschaft